{"id":1841,"date":"2013-12-05T20:42:33","date_gmt":"2013-12-05T20:42:33","guid":{"rendered":"http:\/\/at.rechtsinfokollektiv.org\/?page_id=1841"},"modified":"2013-12-05T20:42:33","modified_gmt":"2013-12-05T20:42:33","slug":"die-gerichtsverhandlung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/at.rechtsinfokollektiv.org\/?page_id=1841","title":{"rendered":"Die Gerichtsverhandlung"},"content":{"rendered":"<p>Ein sehr gro\u00dfer Teil der F\u00e4lle wird bereits im Ermittlungsstadium eingestellt, weil die Beweislage zu d\u00fcnn ist. Wenn es trotzdem zu einer Gerichtsverhandlung kommt, muss dir bzw. dir und deine_r Anw\u00e4lt_in mindestens 8 Tage Vorbereitungszeit einger\u00e4umt werden, auch du bzw. dein_e Anw\u00e4lt_in hat die M\u00f6glichkeit Zeug_innen zur Verhandlung zu laden und anderes Beweismaterial wie Videos oder Fotos vorzulegen. Als Beschuldigte_r hast du auch in der Hauptverhandlung das Recht, die Aussage zu verweigern oder die L\u00fcgengeschichte deiner Wahl zu erz\u00e4hlen. Was sinnvoll ist, ist stark von der Situation abh\u00e4ngig und kann nicht generell beantwortet werden. Zeug_innen sind auch hier aus juristischer Sicht wahrheitspflichtig und nur in Ausnahmef\u00e4llen von der Pflicht auszusagen befreit, auch Zeug_innenaussagen sollten gut durchdacht werden. In der Gerichtsverhandlung gibt es drei Akteur_innen, die sowohl der beschuldigten Person als auch den Zeug_innen Fragen stellen k\u00f6nnen: Der_die Richter_in, der_die Staatsanw\u00e4lt_in, der_die Strafverteidiger_in. Als erstes wird von der Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen,danach wird die angeklagte Person vernommen. Im Anschluss werden Zeug_innen aufgerufen, die nach einer Belehrung und einer \u00dcberpr\u00fcfung ihrer pers\u00f6nlichen Daten nacheinander aussagen. So wird versucht, Widerspr\u00fcche in den Schilderungen der Personen aufzudecken und die Glaubw\u00fcrdigkeit der Befragten zu pr\u00fcfen, die Aufgabe von Strafverteidiger_innen ist es, durch Fragen an die angeklagte Person die Unschuld bzw. die mildernden Umst\u00e4nde deutlich zu m<\/p>\n<p>achen. Das Urteil f\u00e4llt gleich nachdem die Beweisaufnahme (d.h. die Vernehmungen, die Auswertung von Gutachten und anderen Beweismitteln) beendet ist, davor gibt es Abschlusspl\u00e4doyers von der Staatsanwaltschaft und der Strafverteidigung. Ein Urteil kann, wenn die Frist und bestimmte Formkriterien eingehalten werden, angefochten werden, das Verfahren geht dann in die zweite Instanz.<\/p>\n<p>Freispruch bedeutet, dass nicht oder nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass die beschuldigte Person die Tat, die ihr in der Anklageschrift vorgeworfen wurde, begangen hat. Die Sanktionen, die sich aus einer Verurteilung ergeben, sind neben unbedingten und bedingten Haftstrafen auch Geldstrafen, abgesehen von Verurteilungen im herk\u00f6mmlichen Sinne gibt es noch die Alternative der Diversion. Diversion bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft und der_die Richter_in eine der \u201etraditionellen\u201c Strafen nicht f\u00fcr notwendig h\u00e4lt, stattdessen kommen neben niedrigeren Geldstrafen auch eine Probezeit mit oder ohne Auflagen (z.B. Bew\u00e4hrungshilfe, Therapien), \u201egemeinn\u00fctzige Arbeit\u201c oder ein au\u00dfergerichtlicher Tatausgleich, also eine Mediation zwischen den Beteiligten in Frage. Auch im Ermittlungsverfahren kann Diversion bei der Staatsanwaltschaft beantragt werden, dadurch kann es aber auch keinen Freispruch mehr geben.Das Gesetz regelt die Bedingungen, die erf\u00fcllt werden m\u00fcssen, damit eine Diversion bewilligt wird. Unter anderem darf die Strafdrohung bei Erwachsenen 5 Jahre nicht \u00fcbersteigen und die Schuld der angeklagten Person darf aus Sicht des_der Richter_in nicht gro\u00df sein. Die genauen Bedingungen kannst du in \u00a7199 StPO nachlesen. Der Vorteil ist, dass eine Diversion nicht im Strafregister aufscheint und die Folgen weniger schwer sind, als bei anderen Formen der Strafe. Insbesondere bei Jugendlichen, Menschen die erstmals straff\u00e4llig werden und bei Verurteilungen wegen Drogenkonsum werden diversionelle Ma\u00dfnahmen h\u00e4ufig eingesetzt, im Schnitt kommen sie \u00f6fter zum Einsatz als Verurteilungen. Eine bedingte Freiheitsstrafe bedeutet, dass mensch vorerst nicht in den Knast muss, allerdings einige Jahre Probezeit hinter sich bringen muss. Kommt es innerhalb der Probezeit zu einer weiteren Verurteilung kann die bedingte Freiheitsstrafe in eine unbedingte umgewandelt werden. In der Regel werden bei erstmaligen Verurteilungen Geldstrafen oder bedingte Freiheitsstrafen verh\u00e4ngt, unbedingte Haftstrafen sind die letzte Konsequenz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sehr gro\u00dfer Teil der F\u00e4lle wird bereits im Ermittlungsstadium eingestellt, weil die Beweislage zu d\u00fcnn ist. 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