Bezugsgruppen

Passt aufeinander auf! – Bezugsgruppen Basics

Bezugsgruppen, auch „Peer Groups“ oder „Affinity Groups“ genannt, sind Gruppen, wie z.B. Kochkollektive, Clown Army oder Blockadegruppen, die sich für eine Aktion oder für einen längeren Zeitraum bilden, um gemeinsam koordinierter und bewusster agieren zu können. Es können auch WGs oder Lesekreise sein, die sich entscheiden, auf die nächsten Demo gemeinsam zu gehen. Die Stärke liegt darin, auf der Demo aber auch allgemein als Gruppe agieren zu können und nicht auf sich allein gestellt zu sein. Daher ist es wichtig, dass die Leute in der Bezugsgruppe aufeinander schauen, sich vorbereiten, kennenlernen, Grenzen abstecken, auch nachher füreinander da sind und das Geschehene reflektieren. Eine Bezugsgruppe sollte sich in ihrem Vorgehen immer an der Person orientieren, die die Rücksichtnahme am nötigsten hat, sonst erfüllt für diese Person die Bezugsgruppe ihren Zweck nicht und sie könnte genauso gut keine haben. Bezugsgruppen können verschiedene Funktionen wie zum Beispiel Kommunikationsguerilla, Demosanitäter_innen, emotionale Betreuung, Versorgung, Demoschutz usw. während einer größeren Aktion oder Demo übernehmen. Auch abseits der großen Demos ist es sinnvoll solche Aufgaben innerhalb einer Bezugsgruppe durchzuführen, weil sich die Gruppe so besser schützen kann. Es ist wichtig, dass niemensch allein übrig bleibt, wenn es brenzlige Situationen gibt.

Gehe sicher, dass du die anderen in deiner Bezugsgruppe auch wirklich kennst. Es ist vielleicht ein Extremfall, aber es ist schon vorgekommen, dass Zivilpolizist_innen versucht haben, sich Bezugsgruppen anzuschließen.

Delegiertenplena

Auf großen Protesten gibt es meistens viele Bezugsgruppen, die versuchen, auch untereinander koordiniert zu agieren. Dazu gibt es Delegiertenplena, wo ein oder zwei Personen aus jeder Bezugsgruppe Informationen austauschen oder nach Absprache mit dem Rest der Bezugsgruppe auch ein gemeinsames Vorgehen ausmachen.

Vorbereitung auf eine Aktion, Demo

Infos einholen:

  • Gibt es eine Rechtshilfe, Erste-Hilfe-Teams, Versorgung, Ausrüstung, Treffpunkt, Rückzugsräume?
  • Wie siehts dort aus, was ist alles geplant?
  • Mögliche Szenarien überlegen.

Kennenlernen und Austauschen:

  • Erwartungen, Ängste, Wünsche?
  • Wie weit will ich gehen?
  • Wo sind meine Grenzen?
  • Würde ich ich mich auch verhaften lassen?
  • Ist es ok, wenn sich die Gruppe teilt? Wichtig: niemals sollte eine Person alleine sein; auch beim Verlassen einer Demo nicht.
  • Überlegen, was das ganze politisch soll, was damit vermittelt werden will. Die Aktion in einen politischen Kontext stellen und klar kriegen, was erreicht werden kann.
  • Es ist auch gut, sich schon vorher zu verabreden, wo mensch sich dann als Gruppe im Notfall trifft, bzw. fürs Nachbesprechen, Chillen und Runterkommen.
  • Wer ist alles dabei, Name und Geb. Datum
  • Wen kontaktieren im Fall, dass was schiefgeht: Festnahme, Verletzung, etc.
  • spezielle Bedürfnisse, Medizinisches usw.

Ausmachen

  • Einen kurzen und gut schreibaren Gruppennamen überlegen, um alle zusammenzurufen um gemeinsam die aktuelle Situation zu besprechen. Aufpassen: überlegt euch Fake-Namen oder sagt besser „du da“ zueinander, um euch nicht quer über die Demo beim richtigen Namen rufen zu müssen. Ihr könnt euch auch zwei Namen überlegen: einen um alle zusammen zu rufen und einen, den alle wiederholen, wenn sie ihn hören, damit man weiß, wo die anderen im Moment sind.
  • Buddysystem in der Bezugsgruppe: jeweils 2 oder wenns sich nicht ausgeht 3 Personen sind Buddies, d.h. sie kommen gemeinsam auf die Demo, bleiben dort immer zusammen, schauen aufeinander und verlassen die Demo auch wieder gemeinsam.
  • Will ich, dass im Fall einer Festnahme mein Name an die Rechtshilfe weitergegeben wird?

Wichtig: Auf Aktionen sollten niemals Listen mit sensiblen Daten (wie eben auch Namen und Geburtsdaten oder sonstige Informationen die auf Einzelpersonen rückschließen lassen) mitgenommen werden, da die Möglichkeit einer Beschlagnahmung besteht (zB bei einer Festnahme) und diese Daten dann gegen euch oder für das Anlegen irgendwelcher Karteien durch die Polizei verwendet werden könnten.

Text mit Änderungen übernommen von der Webseite http://rechtshilfe.servus.at/ [nicht mehr online].
weitere Infos zu Bezugsgruppen: Organisierung von Bezugsgruppen (externe Seite)

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